In einem kürzlich geführten Gespräch zwischen der „Salzburger Wirtschaft“ und Andreas Haidenthaler, dem Wirtschaftsdelegierten in München, wurden die aktuellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft beleuchtet. Laut WKO befindet sich Deutschland zurzeit in einer Stagnationsphase. Hohe Arbeits- und Energiekosten sowie bürokratische Hürden setzen den Unternehmen arg zu. Geopolitische Unsicherheiten, etwa durch Zölle, verstärken die ohnehin angespannte Lage.
Österreich ist in dieser Situation besonders betroffen, vor allem durch den direkten Export in die USA und als Zulieferer der deutschen Industrie. Besonders im Automotive-Bereich ist Österreich stark vertreten, wo etwa ein Drittel der Exporte nach Deutschland fließen. Daumen drücken heißt es nun für die Reformen der neuen deutschen Regierung. Ursprünglich als „Sommer der Reformen“ angekündigt, wurde dieses Versprechen auf einen „Winter der Reformen“ verschoben, wie WKO hervorhebt.
Das Milliardenpaket für Infrastruktur
Ein Lichtblick könnte das angekündigte deutsche Milliardenpaket von 500 Milliarden Euro sein, auch bekannt als „Sondervermögen“. Dieses soll dazu dienen, die Konjunktur anzukurbeln und die notwendigen Infrastrukturprojekte wie den Ausbau von Straßen und den Erhalt von Autobahnbrücken voranzutreiben. Laut SN wird dies nicht nur Deutschland zugutekommen, sondern auch Österreich, das stark auf Deutschland angewiesen ist. 2024 flossen knapp 30% der österreichischen Exporte nach Deutschland.
Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt positive Auswirkungen des Investitionspakets auf die deutsche Wirtschaft, mit einer erwarteten Steigerung der Wirtschaftsleistung im Jahr 2026 um etwa 1%. Ab dem Jahr 2027 werden jährliche Wachstumsraten von über 2% erwartet. Dieses Maßnahmenpaket zielt darauf ab, strukturelle Probleme der deutschen Wirtschaft zu lösen und negative Kreisläufe aus schlechter Konjunktur und niedrigen Steuereinnahmen zu durchbrechen.
Die enge wirtschaftliche Verflechtung
Die Abhängigkeit Österreichs von Deutschland ist nicht zu unterschätzen. Die Wirtschaftsbeziehungen sind eng verzahnt, was Handel, Investitionen und Wertschöpfungsketten betrifft. Wie die Creditanstalt berichtet, dominieren im Warenhandel Maschinenbau und Fahrzeugbau, während der Tourismussektor für technisches Know-how steht. Deutschland bleibt der größte Investor in Österreich mit einem Bestand an direkten Investitionen von rund 211,9 Milliarden Euro.
Die Verflechtungen sind so intensiv, dass eine stärkere Infrastruktur in Deutschland auch das österreichische BIP um bis zu 0,3 Prozentpunkte ankurbeln könnte. Bei einem Handelsdefizit von 4,45 Milliarden Euro im Handel mit Deutschland ist klar, dass strukturelle Druckstellen in beiden Ländern existieren. Die Chancen für österreichische Unternehmen liegen in einer Diversifizierung der Lieferketten und technologischen Weiterentwicklungen, damit die Abhängigkeit von einem einzelnen Markt nicht zur Achillesferse wird.
Während Deutschland sich also auf umfassende Reformen und Investitionen fokussiert, bleibt abzuwarten, inwieweit Österreich von diesen Entwicklungen profitieren kann. Die nächsten Jahre sind entscheidend für die wirtschaftliche Ausrichtung beider Länder und deren Zusammenarbeit.