Der Handlungsbedarf ist groß: Tirols Wirtschaftskammer fordert von der Bundesregierung eine zügige Anhebung des Saisonkontingents für Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Staaten. Präsidentin Barbara Thaler (ÖVP) zeigt sich besorgt über die ausbleibenden Zeichen einer Umsetzung, nachdem die gesetzliche Verordnung bereits für September angekündigt war. „Wir erwarten eine reaktionsschnelle Entscheidung, um den offenen Arbeitsplätzen im Tourismus gerecht zu werden“, sagt Thaler.
Im Dezember 2024 blieben knapp 3.000 Stellen im Tourismus unbesetzt, was die Dringlichkeit der Forderung zusätzlich untermauert. Thaler und der Tourismus-Spartenobmann Alois Rainer kritisieren die bisherige Anhebung auf 5.500 Plätze als unzureichend. Um den Bedarf gerecht zu werden, plädieren sie für eine Erhöhung auf bis zu 8.000 Arbeitsplätze und fordern zudem eine frühere Diskussion zur Öffnung des Arbeitsmarkts für den Westbalkan.
Das aktuelle Tourismusgeschehen
Der österreichische Tourismus erlebte 2024 ein Rekordjahr und erwartet auch für die kommende Sommersaison Höchstwerte bei den Nächtigungen. Diese Entwicklung unterstreicht die zentrale Rolle des Tourismus als Motor für die Konjunktur, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wie der Bundeskanzleramt feststellt. Ein positives Signal was die Wirtschaft anbelangt, doch ohne ausreichend Personal kann sich dieser Erfolg schnell ins Gegenteil verkehren.
Im Zuge der Planungen wird eine Einführung eines separaten Saisonkontingents für Arbeitskräfte aus den EU-Beitrittsländern des Westbalkans in Höhe von 2.500 Plätzen angestrebt. Diese Massnahme soll den Betrieben nicht nur Planungssicherheit bis ins Jahr 2026 geben, sondern auch dem enormen Fachkräftebedarf begegnen; schließlich bleibt ein temporärer Überziehungsrahmen von bis zu 50 Prozent während der Saison weiterhin möglich.
Der Weg zur Arbeitserlaubnis
Wer in Österreich eine Arbeit aufnehmen möchte, hat es als Staatsangehöriger der EU, des EWR oder der Schweiz einfach: Ein freier Zugang zum Arbeitsmarkt ist garantiert. Anders gestaltet sich dies für Menschen aus Drittstaaten, die eine Bewilligung zur Arbeitsaufnahme benötigen, wie die WKO erklärt. Hier wird zunehmend die Einführung der Rot-Weiß-Rot-Karte für qualifizierte Fachkräfte diskutiert, die via Punktesystem die Zuwanderung nach vorgegebenem Bedarf steuern soll.
Die Verordnung zur Anhebung des Saisonarbeitskräfte-Kontingents liegt also im konjunkturellen Blickfeld und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und bürokratischen Abläufen. Eine rasche Reaktion der Politik ist gefragt, um die Weichen für die bevorstehenden Saisonen richtig zu stellen. Thaler und Rainer zeigen sich daher einig: „Österreich braucht einen flexibleren Arbeitsmarkt, der mit den Herausforderungen der Branche Schritt hält.“