Die Einführung der Leerstandsabgabe im Bundesland Salzburg hat für einiges an Aufregung gesorgt. 2023 wurde diese Abgabe ins Leben gerufen, um ungenutzten Wohnraum zu verringern. Gemeinden können seither zwischen 400 und 5.000 Euro pro Jahr für leer stehende Wohnungen erheben. Zu Beginn hatten 66 von 119 Gemeinden eine Kommunalabgabe erlassen, doch aktuell sind es nur noch 45, was die Effektivität dieser Maßnahme in Frage stellt. Bürgermeister Erich Rohrmoser (SPÖ) kritisiert den hohen administrativen Aufwand und die geringen Einnahmen, die aufgrund vieler Ausnahmen erzielt werden. So wurden 2023 landesweit 7.348 Leerstände erfasst, jedoch fielen 69,7 % der Fälle unter Ausnahmebestimmungen und waren nicht abgabepflichtig.
In der Stadt Salzburg wurden im Jahr 2025 insgesamt 326 Fälle erfasst, in denen 40 Eigentümern eine Leerstandsabgabe vorgeschrieben wurde. Die Einnahmen aus der Abgabe blieben jedoch gering: 2023 wurden lediglich 74.600 Euro eingenommen, und man rechnet mit weiteren 34.000 Euro aus offenen Verfahren. Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) weist darauf hin, dass die Einnahmen nicht einmal die Personalkosten decken. Für 2024 wurden in der Landeshauptstadt 21.796 Euro und 2025 74.198 Euro an Abgaben vorgeschrieben, was insgesamt 96.000 Euro ergibt.
Die Situation in den Nachbarländern
Die Thematik der Leerstandsabgaben ist nicht nur in Salzburg ein heiß diskutiertes Thema. In Tirol trat 2023 ebenfalls eine Neuregelung der Leerstandsabgabe in Kraft, die den Gemeinden mehr Entscheidungsspielraum hinsichtlich Höhe und Erhebung gibt. Hier haben 154 von 277 Gemeinden Regelungen beschlossen, viele erheben den Höchstsatz von 30 %. In der Steiermark hingegen gibt es Bestrebungen, die 2022 eingeführte Leerstandsabgabe wieder abzuschaffen, da der administrative Aufwand in keinem Verhältnis zu den Einnahmen steht.
In Vorarlberg wurde 2024 eine Leerstandsabgabe eingeführt, die von den Gemeinden festgelegt wird. Im Gegensatz dazu gibt es in Kärnten derzeit keine solche Abgabe, jedoch ist ein neues Zweitwohnungsabgabegesetz in Planung. In Wien wurde eine Zweitwohnsitzabgabe beschlossen, jedoch auf Eis gelegt. Die Situation in Niederösterreich, Oberösterreich und Burgenland ist ähnlich, wo keine Leerstandsabgaben geplant sind. Diese Unterschiede in den Regelungen zeigen, dass die Herangehensweise an das Thema Leerstand von Bundesland zu Bundesland variiert.
Die Herausforderungen der Umsetzung
Eine Umfrage aus dem Sommer 2025 ergab, dass in Tirol 1.202 eingemeldete Wohnungen existieren, wovon 986 mit Ausnahmetatbeständen versehen sind. Das zeigt einmal mehr, wie komplex die Erhebung von Leerständen ist. Der Österreichische Haus- und Grundbesitzerbund (ÖHGB) hat sich gegen die Leerstandsabgabe ausgesprochen und bezeichnet sie als bürokratisch sowie ineffektiv. Auch die Immobilienwirtschaft äußert Bedenken, indem sie darauf hinweist, dass eine Abgabe keinen neuen Wohnraum schafft.
Das Momentum Institut hat zudem festgestellt, dass in Österreich viele Wohnungen leer stehen, während die Mieten steigen. Potenziell könnten bis zu 653.028 leerstehende Wohnungen wieder für Wohnzwecke mobilisiert werden. Um diesen Leerstand effektiv zu bekämpfen, wäre eine höhere Leerstandsabgabe in allen Bundesländern notwendig. Laut der Empfehlung des Momentum Instituts sollte diese Abgabe mindestens 200 Euro pro Quadratmeter jährlich betragen. Aktuell liegen die Abgaben in Salzburg, Tirol und Steiermark jedoch bei etwa 10 Euro pro Quadratmeter, was weit unter dem Wertanstieg der Immobilien der letzten Jahre liegt.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird. Eine flächendeckende Erhebung der Abgabe könnte möglicherweise dazu beitragen, den Leerstand zu verringern und gleichzeitig die finanziellen Mittel der Gemeinden zu stärken. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass eine ausgewogene Regelung gefunden wird, die sowohl den Interessen der Eigentümer als auch den Bedürfnissen der Gemeinden Rechnung trägt. Die Diskussion um die Leerstandsabgabe zeigt, wie wichtig es ist, einen effektiven und fairen Umgang mit Wohnraum zu finden, um den steigenden Wohnbedarfen in Österreich gerecht zu werden.