In der heutigen Gesellschaft stehen Frauen aller Generationen vor einem Spagat, der kaum größer sein könnte: Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen. Anlässlich des Weltfrauentages wird deutlich, dass die Herausforderungen, mit denen Frauen konfrontiert sind, oft widersprüchlich und belastend sind. Laut einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts im Auftrag der Arbeiterkammer haben Frauen im Durchschnitt längere Erwerbslücken (8,4 Jahre) als Männer (5,6 Jahre). Diese Lücken resultieren häufig aus der Notwendigkeit, Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen.

Die Anhebung des Pensionsalters für Frauen in Österreich auf 65 Jahre bis 2033, um es an das der Männer anzugleichen, wirft zusätzlich Fragen auf. Während viele Frauen sich um ihre Kinder kümmern oder ihre älteren Angehörigen unterstützen, machen sich viele Sorgen, nicht genügend für die Familie da zu sein. In der Realität sind Großeltern, insbesondere Omas, oft die ersten Ansprechpartner in der Kinderbetreuung, während sie selbst arbeiten.

Der Arbeitsmarkt braucht Frauen in Vollzeit

Die Diskussion über die Gleichberechtigung von Frauen im Vergleich zu Männern ist aktueller denn je. Der Arbeitsmarkt benötigt mehr Frauen in Vollzeit, um Einkommen und Pensionen zu steigern und die Armutsgefährdung im Alter zu senken. Doch wie soll dies gelingen, wenn viele Frauen in sogenannten „Problembranchen“ wie dem Tourismus oder der Gastronomie arbeiten, wo die Direktpensionsantritte niedrig sind? 50 % der Frauen im Tourismus und 49 % der Frauen in der Reinigung treten nicht direkt in die Pension ein.

Die gesellschaftlichen Strukturen zeigen sich hier als wenig förderlich: In Kleinbetrieben mit weniger als 10 Beschäftigten traten 61 % der Frauen direkt in die Pension ein, während es in Großbetrieben über 1.000 Beschäftigte 85 % waren. Dennoch bleibt die Frage, wie wir Frauen in diesen Berufen unterstützen können, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und sicherzustellen, dass sie im Alter nicht in die Armutsfalle tappen.

Forderungen nach Veränderung

Die Arbeiterkammer fordert ein Bonus-Malus-System zur Förderung älterer Arbeitnehmer:innen und innovative Arbeitszeitverkürzungen, um eine gerechtere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zu ermöglichen. Zudem wird ein Ausbau flächendeckender, leistbarer Kinderbetreuungseinrichtungen gefordert, um Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Die Schaffung von leistbaren und qualitativen Pflegeangeboten ist ebenfalls ein zentraler Punkt in der Diskussion über die Rückkehr zu Mehrgenerationenhaushalten zur Unterstützung der Pflege daheim.

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Ein weiteres Augenmerk liegt auf den Gesundheitsaspekten, die mit der Dauer der Erwerbslücke zunehmen. Über 50 % der Frauen über 45 Jahre können sich nicht vorstellen, bis zum Pensionsantritt in ihrem aktuellen Beruf zu bleiben. Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig es ist, die Arbeitsbedingungen in frauendominierten Berufen zu verbessern und den Frauen die Möglichkeit zu geben, ihre Lebensentwürfe aktiv zu gestalten.

Es ist an der Zeit, die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen zu hinterfragen und die notwendigen Veränderungen herbeizuführen, um die Gleichberechtigung von Frauen zu fördern und die Herausforderungen, vor denen sie stehen, zu meistern. Nur so können wir eine zukunftsfähige Gesellschaft schaffen, in der Frauen nicht nur die Möglichkeit haben, in Vollzeit zu arbeiten, sondern auch ein erfülltes und sicheres Leben im Alter führen können.