Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen bietet für die österreichische Industrie zahlreiche neue Möglichkeiten. Wie Südtirol News berichtet, könnten insbesondere der Maschinenbau, Autozulieferer und die Getränkeindustrie von den Vorteilen des Abkommens profitieren. Für Österreich, das im Jahr 2022 Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro in die Mercosur-Staaten exportierte, könnte der Wegfall von Zöllen erheblich zur Entlastung der Industrie beitragen.

Das Abkommen umfasst Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und ab 2024 auch Bolivien. Mit insgesamt 770 Millionen Einwohnern entsteht hier der weltweit größte Handelsraum. Im Rahmen des Abkommens könnten die Zölle für Exporte in die Mercosur-Staaten, die derzeit durchschnittlich bei circa 10 Prozent liegen, bis 2024 um über 90 Prozent sinken. Dies könnte dazu führen, dass bis zu 35 Prozent Zölle auf Fahrzeuge und bis zu 20 Prozent auf Maschinen fallen, was die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Firmen stärken würde.

Regionale Perspektiven

Besonders stark betroffen von den Entwicklungen zeigen sich die Regionen Oberösterreich, Steiermark, Wien und Salzburg. Diese Bundesländer könnten gemeinsam von einer zusätzlichen Wertschöpfung von rund 40 Millionen Euro aus den Mercosur-Staaten profitieren und etwa 300 neue Arbeitsplätze schaffen. Alleine Oberösterreich und Steiermark repräsentieren fast die Hälfte der österreichischen Exporte in diese Regionen, mit einem Wert von 80 Millionen Euro und 550 neuen Arbeitsplätzen in Oberösterreich sowie 50 Millionen Euro und 350 in der Steiermark.

Im Gegensatz dazu wird die ökonomische Bedeutung für Kärnten, Burgenland und Vorarlberg als gering eingeschätzt. Dort sind die projektierten Wertschöpfungen unter 10 Millionen Euro, und der mögliche Zuwachs an Arbeitsplätzen ist ebenfalls begrenzt.

Ökonomische Ausblicke

Die Schätzungen der Europäischen Kommission sind optimistisch: Es wird angenommen, dass die Exporte der EU nach Südamerika um bis zu 39 Prozent ansteigen könnten. Dies könnte nicht nur über 440.000 Arbeitsplätze in Europa unterstützen, sondern auch in Österreich eine zusätzliche Wertschöpfung von rund 300 Millionen Euro und 2.000 neue Arbeitsplätze in der Industrie schaffen. Dies wird durch den Druck auf die heimische Landwirtschaft durch günstigere Fleischimporte aus Südamerika begleitet, was zu einem Wettbewerbsnachteil für die einheimischen Producte führen kann.

Im Rahmen des Abkommens wurden auch Schutzklauseln und Ausgleichsfonds von der EU-Kommission angekündigt, um negative Auswirkungen abzufedern. Besonders kritisch gegenüber dem Abkommen äußern sich Agrarier, Arbeitnehmervertreter und Umweltschützer, während die Industrie und Wirtschaftsvertreter die Chancen für Österreich betonen.

Der Weg zur Ratifizierung

Aktuell hat die EU-Kommission bereits die Ratifizierung des Abkommens eingeleitet. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete diesen Schritt als „Meilenstein“ für den Handel mit den Mercosur-Staaten. Die Vertragstexte wurden an die EU-Staaten und das Europäische Parlament übermittelt. Eine Zustimmung zur Ratifizierung wird bis zum Jahresende angestrebt. In den letzten Monaten wurde viel darüber diskutiert, wie das Abkommen im Sinne aller Teilnehmer gestaltet werden kann und gleichzeitig den zentralen Interessen aller Stakeholder Rechnung trägt.

Die Möglichkeit, die Märkte im Mercosur-Raum zu erschließen und gleichzeitig österreichische Spezialitäten durch Markenschutz zu fördern, könnte der heimischen Industrie ein gutes Händchen im internationalen Wettbewerb verleihen.