Ein erschreckender Fall sorgt derzeit für Aufsehen im Flachgau: Ein Fußballtrainer und ehemaliger Jugendleiter wurde am 19. Jänner 2026 verurteilt. Er bekam eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, darunter drei Monate unbedingt, weil er zwischen 2022 und 2025 von mehreren Burschen einer U16-Mannschaft „Dickpics“ und Videos sexueller Handlungen über die App Snapchat forderte. Trotz seiner Geständnisse blieb der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer schlafenden Person umstritten, das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig, wie Salzburg24 berichtet.
Der Verein, bei dem der Trainer tätig war, zählte rund 50 Kinder und Jugendliche in seinen Fußballtrainings. Rosa Diketmüller, Expertin am Institut für Sportwissenschaften der Universität Wien, betont, dass Gewalt im Sport oft von Teamkollegen ausgeht, jedoch auch sexualisierte Gewalt nicht zu unterschätzen sei. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass Präventionsmaßnahmen dringend notwendig sind.
Der Ruf nach mehr Schutz
Chris Karl, die Leiterin der Vertrauensstelle „KIMI“, hebt hervor, wie wichtig ein verpflichtendes Kinderschutzkonzept für alle Institutionen ist, die mit Kindern arbeiten. „KIMI“ bietet Workshops an, die die Rechte der Kinder thematisieren und erfreuen sich großer Beliebtheit, vor allem in Anbetracht der jüngsten Vorfälle. Zudem ist der Salzburger Fußballverband (SFV) über den Fall nicht informiert worden, hat jedoch eine Vertrauensperson, die sich mit solchen Anliegen befasst.
Ein weiteres Problem zeigt sich in Deutschland, wo laut CORRECTIV seit 2020 mindestens 37 strafrechtliche Ermittlungsverfahren wegen Gewaltdelikten im Fußball gegen Minderjährige eingeleitet wurden. Die traurige Realität zeigt, dass Trainer oft die Haupttäter sind, und viele Fälle sexualisierter Gewalt an die Öffentlichkeit geraten sind. Über 1.360 Übergriffe wurden dokumentiert, die von den 1970er Jahren bis heute reichen, und die meisten Vorfälle blieben bislang ohne strafrechtliche Behandlung.
Kultur des Wegschauens?
Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs fordert eine umfassende Dunkelfeldstudie, um das volle Ausmaß abbilden zu können. Immer mehr Stimmen melden sich zu Wort: Viele Betroffene berichten, dass sie bis heute aus Scham oder Angst nicht über ihre Erlebnisse gesprochen haben. Der DFB arbeitet derzeit an einem anonymen Hinweisgebersystem und einem Safe Sport Code, um sexualisierte Gewalt in den Vereinen zu sanktionieren.
Strukturelle Mängel, wie etwa das Fehlen erweiterter polizeilicher Führungszeugnisse für Ehrenamtliche, begünstigen die Täter. Die DFB-Vizepräsidentin hat bereits gefordert, Datenschutz-Hürden abzubauen, um Vereine besser vor übergriffigen Trainern zu warnen.
In Anbetracht dieser kritischen Entwicklungen ist es unerlässlich, dass sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene konsequente Maßnahmen ergriffen werden, um Kinder im Sport zu schützen. Die Sensibilisierung für das Problem ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer sicheren Umgebung für alle jungen Sportler.