Heute ist der 20.04.2026 und die Sportwelt in Salzburg wird von einem erschütternden Fall überschattet. Ein Fußballtrainer und ehemaliger Jugendleiter aus dem Flachgau wurde am 19. Jänner 2026 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Der 34-Jährige hatte zwischen Anfang 2022 und Anfang 2025 von mehreren Burschen einer U16-Mannschaft, die zwischen 13 und 16 Jahre alt waren, über die App Snapchat „Dickpics“ sowie Videos sexueller Handlungen gefordert. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, von denen drei Monate unbedingt und 15 Monate auf eine Probezeit von drei Jahren angesetzt sind. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.
Der Trainer gestand die Vorwürfe, bestritt jedoch den sexuellen Missbrauch einer schlafenden Person. Der Verein, bei dem er tätig war, betreute rund 50 Kinder und Jugendliche im Fußballtraining. Rosa Diketmüller, Expertin vom Institut für Sportwissenschaften der Universität Wien, wies darauf hin, dass Gewalt im Sport häufig von Teamkollegen ausgeht, auch sexualisierte Gewalt. Chris Karl, Leiterin der Vertrauensstelle „KIMI“, fordert ein verpflichtendes Kinderschutzkonzept für Institutionen, die mit Kindern arbeiten. „KIMI“ bietet Workshops an, die Kinder über ihre Rechte aufklären – diese sind besonders nach bekannt gewordenen Fällen sehr gefragt.
Ein breiteres Problem im Fußball
Dieser Fall ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Problems. Seit 2020 wurden in Deutschland mindestens 37 strafrechtliche Ermittlungsverfahren wegen Gewaltdelikten im Fußball gegen Minderjährige eingeleitet, mit 130 Geschädigten. Die meisten dieser Fälle betreffen sexualisierte Gewalt, begangen hauptsächlich von Trainern. Eine Online-Befragung von CORRECTIV und 11FREUNDE ergab, dass knapp 500 Menschen Gewalterfahrungen im Fußball als Minderjährige gemacht haben.
Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs fordert eine Dunkelfeldstudie, um das Ausmaß des Missbrauchs im deutschen Fußball besser zu verstehen. Die Recherche zeigt, dass über 1.360 Übergriffe dokumentiert wurden, die von den 1970er Jahren bis 2025 reichen. Viele dieser Vorfälle wurden bisher nicht von den Ermittlungsbehörden behandelt. Trainer, aber auch Betreuer, Schiedsrichter und Spielerberater werden häufig als Täter genannt. Die Taten umfassen geheime Filmaufnahmen, sexuelle Handlungen sowie körperliche und psychische Gewalt.
Strukturelle Probleme und notwendige Veränderungen
Die Ergebnisse basieren auf hunderten Erfahrungsberichten und mehr als 40 ausführlichen Gesprächen mit Betroffenen. Viele dieser Betroffenen haben bis heute nicht über ihre Erlebnisse gesprochen, oft aus Angst oder Scham. Der DFB hat ein anonymes Hinweisgebersystem eingeführt und arbeitet an einem Safe Sport Code, der sexualisierte Gewalt sanktionieren soll. Dennoch gibt es strukturelle Probleme im Amateurfußball, wie etwa das Fehlen erweiterter polizeilicher Führungszeugnisse für Ehrenamtliche, die es Tätern erleichtern, über Jahre hinweg unentdeckt zu bleiben.
Die DFB-Vizepräsidentin fordert zudem weniger Datenschutz-Hürden, um Vereine besser vor übergriffigen Trainern zu warnen. Die Unabhängige Kommission fordert eine gezielte Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Fußball, da Hinweise auf eine Kultur des Wegschauens in einigen Vereinen existieren. Es ist höchste Zeit, dass sowohl in Österreich als auch in Deutschland die Verantwortlichen handeln, um den Schutz von Kindern im Sport zu gewährleisten und Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Quellen: Salzburg24 und CORRECTIV.