In Salzburg wird seit 2007 ein beeindruckendes Gedenken auf den Gehwegen gepflegt: die Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Jüngst wurden am 8. Oktober 2025 insgesamt 16 neue Steine verlegt, welche die Gesamtzahl auf 535 ansteigen lassen. Diese kleinen, 10×10 cm großen Betonquader sind mit Messingplaketten versehen, die die Namen und Schicksale der verfolgten Personen dokumentieren. Historikerin Sabine Veits-Falk hebt hervor, dass die Stolpersteine dazu anregen, innezuhalten und den Blick zum Boden zu richten – eine Einladung, die erschütternde Geschichte, die in den Straßen von Salzburg liegt, nicht zu vergessen. Salzburg24 berichtet, dass die gesteigerte Anzahl der Stolpersteine die allgegenwärtigen Spuren des NS-Regimes in der Stadt verdeutlicht.

Ursprünglich wurden die Stolpersteine für jene verlegt, die durch das Regime umkamen. In der Zwischenzeit haben sie sich jedoch zu einem breiteren Gedenkanlass entwickelt, der auch andere Opfer, wie Vertriebene und Verschleppte, umfasst. Die Steine werden an den letzten Wohnsitzen oder Ausgangsorten der Deportationen angebracht. Zu den neu verlegten Stolpersteinen zählen unter anderem Gedenktafeln für Pater Edmund Pontiller und Pater Johann Schwingshackl in der Kajetanerplatz 2, die 1944 einem Todesurteil ausgesetzt waren, sowie Katharina Wagner in der Kaigasse 3, die 1941 nach Hartheim deportiert und getötet wurde.

Patenschaften und Gedenkorte

Die Patenschaft für jeden Stolperstein wird von Personen oder Organisationen übernommen. Die Katholische Aktion Salzburg hat beispielsweise die Patenschaft für den Stein zu Ehren von Wilhelm Schmid, der den Führereid verweigerte und dessen Bücher von der Gestapo beschlagnahmt wurden, übernommen. Zu anderen Personen, an die mit Stolpersteinen erinnert wird, zählen Leopold Vorreiter in der Linzer Gasse 74, der 1940 als Kriegsdienstverweigerer getötet wurde, und viele weitere Opfer des NS-Regimes.

Die erste Verlegung von Stolpersteinen fand am 22. August 2007 in der Linzergasse statt. Dieser bewegende Moment wurde vom Künstler Gunter Demnig initiiert, dessen Ziel es war, das Vergessen zu verhindern und auf die Vertreibung und Vernichtung verschiedener Gruppen aufmerksam zu machen, darunter Juden, Roma und Sinti sowie politisch Verfolgte und Menschen mit Beeinträchtigungen. Jedes Jahr am 27. Januar wird zudem der internationale Holocaust-Gedenktag begangen, um an die Gräueltaten des NS-Regimes zu erinnern, und wer mehr über die Stolpersteine erfahren möchte, findet auf der Webseite der Stolpersteine Salzburg weitere Informationen und die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen.

Ein Blick über die Grenzen hinaus

Europaweit sind inzwischen über 90.000 Stolpersteine verlegt, die meisten davon in Deutschland. Die Initiative hat auch außerhalb Österreichs zahlreiche Unterstützer gefunden, aber nicht ohne Kritik. Einige Städte, wie München, haben aufgrund von Widerstand gegen das Projekt bereits Genehmigungen für die Verlegung von Stolpersteinen verweigert. Dennoch bleibt das Engagement von Gunter Demnig und den zahlreichen freiwilligen Unterstützern unermüdlich. Regelmäßige Aktionen zur Pflege der Stolpersteine, besonders am Jahrestag der Reichspogromnacht, sind fester Bestandteil des Gedenkens.

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„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen“ – so fasst Primo Levi das Dilemma zusammen, das der Stolpersteine-Gedächtniskultur zugrunde liegt und das uns alle betrifft. In Salzburg wird weiter an einer lebendigen und bewussten Erinnerungskultur gearbeitet, um die Stimmen derer zu stärken, die für ihre Überzeugungen litten.

Für weitere Informationen zu den Stolpersteinen in Salzburg besuchen Sie die Seiten von Stolpersteine Salzburg und ndr.de.