In diesen Tagen zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag feiert die Region Salzburg eine besonders mystische Zeit: die Rauhnächte. Zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar entfalten sich diese Nächte, in denen die Grenzen zwischen den Welten durchlässig sind. Diese jahrhundertealte Tradition bringt Bräuche, Sagen und eine Atmosphäre des Staunens mit sich, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Der österreichische Schauspieler und Autor Harald Krassnitzer hat sich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt und sein Buch „Rauhnächte“ veröffentlicht, welches die Vielfalt europäischer Traditionen und Erzählungen in dieser besonderen Zeit beleuchtet. Laut Süddeutscher Zeitung hat Krassnitzer die Untersberger Rauhnacht in seiner Kindheit, aufgewachsen in Grödig bei Salzburg, als prägend erlebt.

Was genau sind die Rauhnächte? Man nennt sie auch die „Zwölf Nächte“, und sie dienen nicht nur der Besinnung und inneren Einkehr, sondern auch der spirituellen Reinigung. In dieser Zeit wird angenommen, dass die Türen zur geistigen Welt weit offenstehen. Die mystischen Wurzeln der Rauhnächte reichen bis in die germanisch-keltische Tradition zurück und bieten eine Gelegenheit, über das vergangene Jahr nachzudenken und Wünsche für die Zukunft zu formulieren. Dies erklärt sich auch im alten Begriff „Losnächte“, was so viel wie „vorhersagen“ bedeutet, zum Beispiel über Orakel und Träume, wie die magischen Rauhnächte ausführlich darstellt.

Rituale und Bräuche

Die Rituale während der Rauhnächte sind vielfältig. Das Räuchern spielt dabei eine besondere Rolle, um das Zuhause zu reinigen und dunkle Energien fernzuhalten. Krassnitzer selbst praktiziert diese Rituale und führt ein Tagebuch, in dem er seine Gedanken und Träume festhält. Auch das Schreiben von 13 Wünschen für das kommende Jahr gehört zu den Traditionen, die in diesen Nächten stark im Fokus stehen. Der letzte Wunsch richtet sich dabei auf die persönliche Verantwortung, die man für sein Leben übernehmen muss. Zu den regionalen Besonderheiten zählen auch die berühmten Perchtenläufe, die lebendige Gestalten in traditionellen Kostümen auf die Straßen bringen, um das Böse zu vertreiben und den Winter zu vertreiben.

Ein weiterer Brauch, den man in Europa antreffen kann, ist das fast vergessene Bleigießen, bei dem das geschmolzene Blei in Wasser gegossen wird, um die Zukunft zu erkunden. Diese Tradition hat historische Wurzeln im antiken Rom, wurde jedoch 2018 aus gesundheitlichen Gründen in der EU verboten CN Traveller. Auch wenn viele dieser Bräuche regional weniger bekannt sind, erleben sie in der Weihnachtszeit eine Renaissance und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Kollektive Erlebnisse sind für Krassnitzer besonders wichtig. Mit seiner Frau, der Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, verbringt er die Rauhnächte gerne im Kreise von Freunden. Die Zeit zwischen den Jahren sieht er nicht als Gelegenheit zur Selbstoptimierung, sondern als Möglichkeit, gemeinsam zu reflektieren und Hoffnungen für das kommende Jahr zu entwickeln. Die Begeisterung für die dahinterstehenden Geschichten und Mythen, die hinter den Rauhnächten stehen, ist für ihn von großer Bedeutung.

Wie in den Rauhnächten üblich, ist auch das Träumen von großer Bedeutung: Träume während dieser Nächte sollen Hinweise auf die kommenden Monate geben. Jeder Abend steht symbolisch für einen Monat des nächsten Jahres und ermöglicht es, Pläne zu schmieden und Visionen zu entwickeln.

Wer also neugierig geworden ist, den Zauber und die Mythen der Rauhnächte zu erfahren, kann sich auf die tiefen kulturellen Wurzeln und die emotionalen Erlebnisse freuen, die diese Zeit ins Herz einer jeden Familie bringt. Ob mit Räuchern, dem Schreiben von Wünschen oder dem Pflegen von Traditionen – die Rauhnächte sind eine Zeit der Besinnung und des Neuanfangs.