In der Stadt Salzburg tut sich etwas Spannendes: Die Universität Mozarteum hat eine Plattform ins Leben gerufen, die sich um die Aufarbeitung ihrer politischen Vergangenheit kümmert. Da wird nicht nur in den Geschichtsbüchern gewühlt, sondern aktiv nach Erinnerungen und Dokumenten aus der Zeit von 1920 bis 1990 gesucht. Wer hätte gedacht, dass so viel Geschichte in den alten Akten und Schubladen schlummert? Der Aufruf zur Mithilfe richtet sich an alle, die Berührungspunkte mit der „Musikschule für Jugend und Volk“ oder dem Mozarteum selbst haben. Bei der drehpunktkultur erfährt man, dass insbesondere das Jahr 1939/40 im Fokus steht, als viele Schülerinnen die Musikschule besuchten.
Die Idee hinter dieser Initiative ist es, neue Quellen zu finden, die helfen, die Geschichte des Mozarteums und insbesondere der Zeiten des Austrofaschismus und Nationalsozialismus zu beleuchten. Der Konzert- und Theaterbetrieb jener Jahre soll rekonstruiert werden, um die Rolle der Einrichtung und ihrer Mitglieder in diesem schwierigen historischen Rahmen zu verstehen. So kündigt der Jahresbericht von 1943/44 die „Reichshochschule für Musik Mozarteum“ an, während ein gewisser Paul Schilhawsky, der zwischen 1972 und 1973 unterrichtete, einer der Personen war, die später zur internationalen Sommerakademie der Hochschule maßgeblich beitrugen.
Aktuelle Aufarbeitung und Suche nach Dokumenten
Angetrieben von einem Bedürfnis nach Erinnerungskultur ruft die Plattform Geschichtspolitiken alle auf, ihren Teil zur Geschichte beizutragen. Dokumente wie Fotoaufnahmen der Veranstaltungen, Unterrichtsmitschriften und Privates aus dem persönlichen Archiv sollen zur Verfügung gestellt werden. Das Archiv der Universität gewährleistet nicht nur die Bewahrung dieser Stücke, sondern auch deren Anonymisierung, falls gewünscht. Wer also alte Fotos oder Briefe hat, sollte sich unbedingt bei der Archivarin Mag.a Elisabeth Nutzenberger melden, entweder per Telefon unter +43-676 88122 623 oder über die E-Mail-Adresse elisabeth.nutzenberger@moz.ac.at. Es ist verblüffend, was für Schätze im Verborgenen lagern!
Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und das Interesse an Oral History zeigt, wie wichtig es ist, die Stimmen der Zeitzeug*innen zu hören. In einer Gesellschaft, die sich immer weiter entwickelt, ist es unabdingbar, auch die dunklen Kapitel, wie sie in der Stiftung EVZ thematisiert werden, nicht zu vergessen. Gerade durch die Nachkriegsgesellschaften in Deutschland wurde das Thema lange verdrängt, aber die Diskussion hat in den letzten Jahrzehnten kräftig an Fahrt gewonnen. Schulen und Institutionen sind heute aktiv auf der Suche nach einer lebendigen Erinnerungskultur, und das ist ein gutes Zeichen.
Die Erinnerung ist also nicht nur Vergangenheit, sondern eine lebendige Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Es lohnt sich, sich einzubringen und die eigenen Erlebnisse oder die von Verwandten nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Wer weiß, vielleicht wird eines Tages das eigene Dokument Teil der Geschichtsschreibung des Mozarteums.