Das Salzburger Landestheater bereitet sich auf eine ganz besondere Uraufführung vor. Am 10. Januar 2026 wird das Stück „Untersberg“ von Anaïs Clerc in den Kammerspielen Premiere feiern. Die Autorin, eine junge Dramatikerin aus Berlin und Zürich, hat sich einen Namen mit ihren scharfsinnigen Texten und eindrucksvollen Bildern gemacht. In diesem neuen Werk geht es um keine Geringere als die legendäre Kaiserin Karla die Große, die aus ihrer Höhle auf die Welt blickt und den moralischen sowie umweltbedingten Verfall der Erde erkennt. Drehpunkt Kultur berichtet, dass Karla, verkörpert von Monika Pallua, die Jahre seit 696 herunterzählt und dringenden Handlungsbedarf sieht.

Die Geschichte entfaltet sich um Lori, eine gescheiterte Musical-Theater-Studentin, und Frank, einen modernen Pfarrer, die bei einer Wanderung auf dem Untersberg aufeinandertreffen. Zuerst hegen sie Vorurteile gegeneinander, doch ihre Konfrontation geht über oberflächliche Unterschiede hinaus. Diese Begegnung bewirkt, dass beide lernen, einander zuzuhören und Vorurteile abzubauen. Im Inneren des Berges erwacht Kaiserin Karla und erkennt besorgt die Erosion und steigenden Erdrutsche – ein eindringliches Bild für die Herausforderungen in einer zunehmend polarisierten Welt. Laut Salzburger Landestheater fordert Karla, dass wir Alternativlösungen finden und eine weibliche Perspektive einbringen.

Nachhaltigkeit im Fokus

Ein zentrales Thema des Stücks ist die Auseinandersetzung mit den ökologischen Veränderungen, die auch den Untersberg betreffen. Diese Thematik spiegelt einen größeren Trend in der Kulturszene wider, wo Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit immer mehr an Bedeutung gewinnen. Nicola Bramkamp, Schauspielchefin in Bonn, betont, dass gerade die Künste einen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung vollziehen müssen. Der Mangel an Frauen in Führungspositionen sowie der Gender Pay Gap sind nach wie vor drängende Probleme. Bramkamp fordert ein Umdenken in den Institutionen und hebt hervor, dass Kulturstätten kreative Wege finden müssen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern Deutschlandfunk.

Die Inszenierung unter der Regie von Sarah Henker bringt eine bewegliche Bühnenlandschaft mit, die das Spielgeschehen zusätzlich unterstützt. Mit einem fulminanten Bühnenbild von Eva Musil, das aus Quadern und anderen beweglichen Formen besteht, wird das Konzept einer dynamischen Auseinandersetzung mit den Themen der Menschheit und der Natur visuell greifbar. Die Zuschauer werden aktiv in die Handlung eingebunden und hören dabei Statements von Salzburger Bürgern über ihre Visionen einer besseren Zukunft.

Das Stück wird voraussichtlich bis zum 22. Oktober 2025 in den Kammerspielen aufgeführt. „Untersberg“ verspricht also nicht nur ein spannendes Theatererlebnis, sondern erhebt auch einen moralischen Anspruch, in einer Welt, die nach Alternativen verlangt. Die Begegnung von Laura und Frank und der eindringliche Ruf der Kaiserin Karla werden hoffentlich auch bei den Zuschauern einen Nachhall finden.